So klappt’s mit Entspannung | Saskia Weneit

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(Saskia Weneit, Der Spiegel)

Der Lockdown hat den Alltag vieler Menschen verändert, oft anstrengender gemacht. Wir zeigen, wie man trotzdem abschaltet und zur Ruhe kommt. Durchatmen!

Wir müssen plötzlich einen Alltag stemmen, wie er vor kurzem nicht denkbar war. Strukturen schaffen, Einkaufen, Existenzängste lösen. Eltern sind jetzt Lehrer, Heimarbeiter, Spielkameraden, Kümmerer, Versorger, Partner, Töchter und Söhne, Nachbarschaftshelfer – alles auf einmal. Es kommt geballt in den eigenen vier Wänden. Ohne Pause. Die Welt ist plötzlich eine andere geworden. Kein Spielplatz zum Austausch mit anderen, keine Großeltern, die einem Luft verschaffen.

Dabei ist Durchatmen so wichtig. Wie sollen wir sonst durchhalten? Jeder braucht und verdient kleine Auszeiten. Momente nur für sich. Wir müssen alle auch mal runterkommen. Aber ganz ehrlich: Wann sollen wir das denn auch noch machen? Während ich diesen Texte schreibe, stürmt mein Sohn ins Büro. Heißt: Er reißt die Schlafzimmertür auf, kriecht unter den Schreibtisch und versteckt sich vor seinem Vater. Mein Sohn spielt Spinosaurus. Der Schreibtisch wackelt.

Nach einem heftigen Wutanfall des fast Fünfjährigen haben wir entschieden: Wir brauchen eine feste Struktur. Also haben wir jetzt einen Tagesplan, der sich an den Kita-Abläufen orientiert. Da stehen jetzt feste Spiel- und Essenszeiten drin. Nach dem Frühstück setzen wir uns im Morgenkreis zusammen und besprechen, was wir spielen und wer wann arbeitet. Unser Sohn ist froh über die vertraute Taktung. Was wir bisher nicht eingetragen haben: Zeit für die Erwachsenen. Für Ruhe. Für Sport. Für Telefonate mit Freunden und Familie.

Was auf die Ohren

Vor ein paar Tagen breitete sich Panik in meinem Körper aus. Ich saß am Schreibtisch, versuchte einen Text fertig zu schreiben und surfte immer wieder auf Nachrichtenseiten. Ständig neue Zahlen, neue Regeln, neue Fakten. Ich bekam Herzrasen. Was half: Kopfhörer auf, Augen zu, Musik an, atmen. Und alles andere ausblenden. Ich denke nun über feste Nachrichtenzeiten für mich nach. Ob Krach aus dem Nebenzimmer oder Nachrichten-Overload – manchmal muss man sich abschotten.

Bester Tipp: Geräuschreduzierende Kopfhörer ohne Ton aufsetzen. Ist auch ein gutes Signal an die Mitmenschen, dass man gerade mit niemandem reden möchte.

Bester Moment: Immer dann, wenn es Ihnen zu viel wird.

Wie hilft das? Egal welche Musik Ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert und Ihren Herzschlag runterbringt: So eine Kopfhörer-Auszeit wirkt wunder. Mit kabellosen Bluetooth-Kopfhörern tanzt es sich übrigens besser.

Yogamatte

Hallo Klischee! Mit Yoga ist es wie mit vielen Dingen, die gut für einen sind: Man weiß, dass es einem gut tut, macht es aber nicht. Zumindest ist das bei mir so. Ich will seit Monaten wieder mit Yoga anfangen. Wäre jetzt nicht der perfekte Zeitpunkt? Naja. Ich kam bisher nicht dazu. Meine blaue Matte habe ich vorgestern wieder hervorgeholt, auf irgendetwas mussten die Playmobilschiffe meines Sohnes schließlich herumfahren.

Von einigen Freunden habe ich inzwischen aber auch einige Links zu Yoga-Videos geschickt bekommen. Jetzt muss ich es endlich schaffen! Theoretisch kann man ja auch sein Kind in die Übungen einbeziehen. Mein Sohn hat mir gestern sogar zwei Yoga-Übungen gezeigt, die er in der Kita gelernt hat. Manchmal sind Kinder sehr weise. Entspannender ist Yoga aber sicherlich allein.

Bester Tipp: Yogamatte neben dem Bett ausrollen. Dann kann man gleich nach dem Aufstehen loslegen.

Bester Moment: Morgens, bevor der Rest der Familie wach ist. Oder abends vor dem Schlafengehen.

Wie hilft das? Yoga hemmt die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Ein Grund dafür ist das bewusste Atmen. Das tiefe Ein- und Ausatmen pumpt mehr Sauerstoff ins Blut, was unsere Gehirnleistung erhöhen kann. Außerdem wirkt Yoga stimmungsaufhellend.

Ausmalbuch

Ich mutiere zu dem Bastelmenschen, der ich immer sein wollte. Schneiden, kleben, malen bringen mich runter in diesen Zeiten. Glücklicherweise macht mein Sohn tagsüber mit – zumindest für 15 Minuten. Eine Erzieherin brachte mich auf die Idee, wie: Ausmalbücher für Erwachsene. Die mit Tieren, am besten gefährlichen.

Wir haben nun eins, das uns beiden gefällt. Ich kopiere ihm eine Seite seiner Wahl, wir sitzen nebeneinander und teilen uns die Stifte. Es wäre toll, wenn ich abends in Ruhe weiter malen könnte, aber meistens bin ich von all den Nachrichten, dem Home-Office und der Heim-Kita zu müde dafür. Immerhin: Einmal habe ich es schon geschafft. Ich weiß auch, warum: Es war ein arbeitsfreier Sonntag mit festen News-Zeiten.

Bester Tipp: Ein Ausmalbuch aussuchen, dass einem selbst gefällt. Soll das Kind auch darin malen, kann man ihm eine Seite kopieren. Oder im Netz Ausmalseiten herunterladen.

Bester Moment: Abends vor dem Schlafengehen.

Wie hilft das? Ausmalen entspannt. Während wir die Bilder mit Farbe füllen, beruhigen sich unsere Nerven, wir bekommen Abstand zum Alltag und können Dinge objektiver beurteilen. Darum wird es oft in Therapien für Erwachsene eingesetzt. Es fördert die Konzentration und das Gedächtnis.

Faszienrolle

Die derzeitige Situation verstärkt meine Verspannungen. Nun ist der Moment, die verstaubte Faszienrolle hervor zu holen. Ich weiß, wie gut das tut, eine Physiotherapeutin hat mir ein paar Übungen gezeigt. Das ist zwar ein Jahr her, aber zur Not gibt es bestimmt Videos im Netz. Dieses Entspannungsprogramm funktioniert allerdings nur ohne Kind. Am besten mit Kopfhörern und auf der Yogamatte. Ich bin optimistisch, dass ich das irgendwann in den nächsten Wochen wenigstens einmal hinkriege.

Bester Tipp: Es gibt verschiedene Härtegrade. Weil sich die Faszienrolle am Anfang unangenehm anfühlt, ist ein weicher oder normaler Härtegrad ratsam.

Bester Moment: Immer wenn sich ein kleines Zeitfenster öffnet. Ins Fitnessstudio können wir ja nun nicht mehr.

Wie hilft das? Die Faszien verleihen dem Körper Struktur, sorgen für reibungslose Bewegungsabläufe und bieten einen wichtigen Transportweg für Sauerstoff und Nährstoffe. Bewegen wir uns und damit die Faszien zu wenig, verkleben sie. Die Folge: Rücken- und Nackenschmerzen. Die Faszienrolle löst diese Verklebungen und hilft, Nährstoffe besser im Körper zu verteilen.

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